Aluminiumrecycling in der Schweiz

Aluminium ist aus unserem Alltag nicht mehr wegzudenken. Ob Getränkedosen, Lebensmitteltuben oder Verpackungen – das leichte Metall überzeugt durch seine vielseitigen Eigenschaften. Gleichzeitig ist die Herstellung aus Bauxit sehr energieintensiv, weshalb ein funktionierendes Recycling-System von zentraler Bedeutung ist. Genau hier setzt die Schweiz seit Jahren Massstäbe. Dank flächendeckender Sammelstrukturen und Organisationen wie der IGORA-Genossenschaft wird Aluminium in nahezu allen Gemeinden gesammelt und der Wiederverwertung zugeführt. Mit dieser Sammelorganisation erreichen wir in der Schweiz eine Sammelquote von gut 90 %. Der grosse Vorteil: Aluminium kann nahezu ohne Qualitätsverlust beliebig oft recycelt werden und spart dabei bis zu 95 % Energie gegenüber der Neuproduktion. Damit ist Aluminium ein Paradebeispiel für eine funktionierende Kreislaufwirtschaft, bei der ökologische und wirtschaftliche Aspekte gleichermassen berücksichtigt werden.

Aluminiumrecycling-Schweiz

Herausforderung Sortierung

Der Weg des Aluminiums beginnt bei Bevölkerung und Unternehmen, wird über Sammelstellen weitergeführt und gelangt anschliessend in Sortieranlagen. Genau dieser Schritt ist entscheidend für die Qualität des Recyclings. In der Praxis werden Aluminiumverpackungen häufig gemeinsam mit Weissblech gesammelt. Diese Fraktion ist oft mit Fremdstoffen wie Papier, Karton und Kunststoffen verschmutzt. Dies macht eine Trennung anspruchsvoll. Für eine hochwertige Wiederverwertung ist jedoch eine möglichst sortenreine Aufbereitung erforderlich, damit das Material effizient eingeschmolzen und zu neuen Produkten verarbeitet werden kann. Moderne Sortiertechnologien ermöglichen es heute, diese Herausforderung gezielt zu lösen und den steigenden Anforderungen an Qualität und Reinheit gerecht zu werden, die sowohl von der Industrie als auch vom Markt zunehmend gefordert werden.

Kundenprojekt Bader in Lucens

Ein konkretes Beispiel für eine solche Lösung ist die realisierte Anlage bei Bader Fers Recycling in Lucens (VD). Das traditionsreiche Familienunternehmen blickt auf eine über 170-jährige Geschichte zurück und zählt heute zu den etablierten Akteuren der Recyclingbranche in der Westschweiz. Seit der Gründung im Jahr 1850 hat sich Bader kontinuierlich weiterentwickelt und über Generationen hinweg ein fundiertes Know-how in der Sortierung und Wiederverwertung aufgebaut. Diese Verbindung aus Erfahrung und Innovationsbereitschaft bildet die Grundlage für moderne Projekte wie jenes in Lucens. Ziel war es, Aluminium zuverlässig von anderen Materialien, insbesondere von Weissblech, zu trennen und dadurch die Qualität der gewonnenen Wertstoffe nachhaltig zu verbessern.

Technische Umsetzung

Nach einer detaillierten Analyse der Materialströme, der Mengen und der betrieblichen Abläufe wurde eine individuelle Sortieranlage konzipiert. Dabei kamen Technologien des italienischen Spezialisten Gauss Magnetti Srl zum Einsatz, die eine präzise Trennung von eisenhaltigen und nicht eisenhaltigen Metallen ermöglichen. Ein zentraler Vorteil dieser Technologie liegt in der gezielten Steuerung des Magnetfelds, wodurch nicht nur Aluminium von Stahl getrennt werden kann, sondern sogar bestimmte Aluminiumarten selektiv ausgeschieden werden können. Ergänzt wird das System durch optimal abgestimmte Fördertechnik und Zuführungslösungen, welche einen kontinuierlichen und automatisierten Betrieb gewährleisten und damit eine konstant hohe Sortierqualität sicherstellen.

Effizienter Materialfluss

Neben der eigentlichen Trenntechnologie spielt auch die Materialführung eine entscheidende Rolle für die Gesamtleistung der Anlage. Für das Projekt in Lucens wurden daher speziell entwickelte Trichter- und Förderbandsysteme eingesetzt, die den Materialfluss stabilisieren und eine gleichmässige Beschickung gewährleisten. Nach der erfolgreichen Sortierung werden die Aluminiumdosen in eine horizontale Presse befördert und zu kompakten Ballen verdichtet. Dieses Verdichten reduziert das Volumen erheblich und erleichtert den anschliessenden Transport zu den Schmelzwerken. Gleichzeitig sorgt der optimierte Prozess dafür, dass die Anlage effizient betrieben werden kann und auch bei schwankenden Materialzusammensetzungen zuverlässig arbeitet.

Wirtschaftlichkeit und Wirkung

Die Investition in moderne Sortiertechnologie zahlt sich sowohl ökologisch als auch wirtschaftlich aus. Einerseits verbessert sich die Qualität der gewonnenen Wertstoffe deutlich, was sich direkt in höheren Marktpreisen widerspiegelt. Andererseits leisten solche Anlagen einen wichtigen Beitrag zur Kreislaufwirtschaft und zur Schonung natürlicher Ressourcen. Unterstützt wird die Wirtschaftlichkeit zusätzlich durch die IGORA-Prämie, die an Gemeinden und Betreiber ausbezahlt wird, aber auch durch die stetig steigenden Preise für den Rohstoff Aluminium. Dadurch können sich entsprechende Anlagen in vielen Fällen innerhalb vergleichsweise kurzer Zeit amortisieren und langfristig wirtschaftlich betrieben werden.