Brandschutz auf Recyclinghöfen: Gefahr durch Batterien
Ob Akkubohrer, Laptop, Spielzeug oder E-Bike – in immer mehr Alltagsgeräten stecken Lithium-Ionen-Batterien. Diese leistungsstarken Energiespeicher bergen jedoch Risiken: Bei falscher Lagerung oder mechanischer Beschädigung können sie sich überhitzen, Rauch entwickeln oder im schlimmsten Fall in Brand geraten. Auf Recyclinghöfen führt das zunehmend zu Problemen. Die Zahl der Brände hat in den letzten Jahren stark zugenommen – oft ausgelöst durch falsch entsorgte oder defekte Batterien. Sammelstellen stehen damit vor einer doppelten Herausforderung: Sie müssen das Brandrisiko senken und gleichzeitig den laufenden Betrieb sicherstellen. Moderne Schutzsysteme, technische Hilfsmittel und geschultes Personal helfen, diesen Spagat zu meistern.
Brandursache Batterie: eine unterschätzte Gefahr
Ein Grossteil der Brände auf Recyclinghöfen wird durch beschädigte oder tiefentladene Lithium-Ionen-Batterien verursacht. Oft stammen sie aus Alltagsgeräten wie E-Zigaretten, Werkzeugakkus oder Spielzeugen – und landen versehentlich im Kehricht. Diese sogenannten «Fehlwürfe» sind kaum kontrollierbar und besonders heikel: Selbst kleine Batterien können bei einem Kurzschluss oder durch mechanische Beschädigung unkontrolliert brennen und stellen somit ein hohes Risiko für einen Grossbrand auf Sammelstellen dar.
Brandschutz ist ein System
Um die Brandgefahr zu minimieren, braucht es eine Kombination aus baulichen, technischen und organisatorischen Massnahmen. Besonders wichtig ist die Risikoanalyse: Welche Abfallfraktionen werden angenommen? Wie lange wird das Material gelagert? Wo befinden sich die grössten Gefahrenquellen? Erst wenn diese Fragen geklärt sind, können wirkungsvolle Schutzmassnahmen geplant und umgesetzt werden. Dabei steht nicht eine einzelne Abfallfraktion im Vordergrund, sondern das systematische Zusammenspiel verschiedener Schutzebenen.

Technische Lösungen für mehr Sicherheit
Ein zentraler Baustein moderner Brandschutzsysteme ist die Sensorik. Überwachungseinheiten mit Thermalkameras oder Infrarotsensoren können gefährliche Temperaturveränderungen frühzeitig erkennen – noch bevor es zu offenen Flammen kommt. Diese Systeme überwachen das Material laufend und schlagen bereits bei ungewöhnlicher Hitzeentwicklung Alarm. Entstehungsbrände lassen sich in Kombination mit automatisierten Löschanlagen, wie etwa Hochdruckwasser- oder Schaumanlagen, in einem sehr frühen Stadium bekämpfen.
Spezialisierte Systeme für mehr Sicherheit
Eine wirksame Sicherheitsstrategie beginnt bei der Sammlung selbst. Das gilt sowohl für Batterien, die aus Geräten entfernt wurden, als auch für ganze Elektrogeräte mit fest eingebauten Akkus. Neue Sicherheitsbehälter helfen, die Risiken zu kontrollieren: Sie bestehen aus feuerfestem Material, sind gegen Kurzschlüsse geschützt und verfügen über Deckel mit Gasdrucksicherung. Einige Modelle enthalten zusätzlich Löschgranulat, das bei Reaktionen automatisch aktiv wird. Für beschädigte oder aufgeblähte Batterien – sogenannte «Defekt-Akkus» – gelten noch strengere Vorschriften: Sie müssen in separaten und zugelassenen Sicherheitsbehältern aufbewahrt werden, etwa in Spezialfässern mit verminderter Sauerstoffzufuhr oder in Boxen mit Sand- oder Vermiculitfüllung. Der Transport solcher Akkus unterliegt der Gefahrgutregelung und darf nur durch autorisierte Fachbetriebe erfolgen.
Organisatorische Prävention im Alltag
Technik alleine reicht aber nicht. Der betriebliche Brandschutz steht und fällt mit den Mitarbeitenden vor Ort. Das beginnt bei der Annahme: Je nach Materialart braucht es visuelle Kontrollen, eindeutige Markierungen und klare Weisungen zur Lagerung. Speziell geschulte Mitarbeitende erkennen risikobehaftete Materialien rascher und wissen, wie sie damit umgehen müssen. Schulungen, interne Checklisten und Notfallübungen sind zentrale Bestandteile eines gelebten Sicherheitskonzepts. Viele Sammelstellen setzen heute auf ein Zwei-Zonen-Konzept: Eine Zone für intakte Akkus und eine für problematische Materialien. Zutritt haben nur geschulte Personen, die wissen, wie im Ernstfall zu reagieren ist. Auch im Dialog mit der Bevölkerung liegt Potenzial: Gemeinden und Betreiber investieren zunehmend in Informationskampagnen, um die korrekte Entsorgung von Batterien und Akkus zu fördern. Denn Prävention beginnt dort, wo das Risiko entsteht – oft im Haushalt.